Blog - Dankbarkeit

Wann sind wir (eigentlich) gut genug?

Von stolz wie Bolle zu blass vor Neid

Was wäre, wenn du dich immer einzig und allein auf deine dir gegebenen Stärken und Potenziale konzentrieren könntest und nicht darauf, was du gerade wieder einmal (in deinen Augen) „versemmelt“ oder sagen wir doch einfach „nicht ganz optimal gemeistert“ hast?

Kennst du das auch? Du hast gerade die letzten Folien für eine superaufwändige Präsentation mit sämtlichem Schnickschnack an Bildern, eingebetteten Videos und hippen Schlagwörtern fertig gestellt und bist sehr zufrieden mit dir und deiner Leistung. Die Welt ist schön. In diesem absolut perfekten Zustand gehst du nun in ein angekündigtes Vertriebsmeeting und lauscht den Worten des Vertriebschefs, der vor versammelter Mannschaft die neuesten Trends und Strategien zur Kundengewinnung präsentiert. Er wirkt äußerst selbstsicher, souverän und überzeugend in seinen Aussagen und seine Darstellungen sind optisch sehr ansprechend. Und da passiert es! Dein wohliges Gefühl geht schlagartig flöten und weicht einer Mischung aus Wut und Trauer.

Die in deinen Augen perfekten und auf den Punkt gebrachten Folien in Zusammenhang mit der charismatischen Darstellung des Moderators lassen dich innerlich erblassen. Du stellst dir prompt die Frage: „Wie hat er es nur geschafft, die Themen so verständlich und klar darzustellen?“ Wie kann er nur so absolut selbstsicher auftreten? Und vor allem: „Wieso funktioniert das bei mir nicht?“


Besser geht immer

„Ich muss die Reihenfolge von Folie drei und fünf unbedingt ändern und viel mehr mit Bildern arbeiten und überhaupt, das geht noch besser!“ Aber was genau ist passiert, du warst doch eben noch völlig beseelt von deiner großartigen Arbeit? Genau das, was meist passiert, wenn du dich mit anderen vergleichst. Dein Ego ist geknickt und es kommen zunehmend Selbstzweifel bei dir auf. „Die anderen verfolgen ganz offensichtlich einen ganz anderen Ansatz wie ich, ist meine Arbeit etwa falsch?“ „Ist der oder die andere denn wirklich so viel besser als ich?“ „Bin ich denn gut genug in dem was ich tue?“ All diese Fragen kommen im Laufe unseres Lebens immer wieder einmal auf. Dabei ist es nahezu unmöglich, immer eine, in unseren Augen, perfekte Arbeit abzuliefern, geschweige denn im Wettbewerb mit anderen stets als Sieger hervorzugehen. Es wird immer jemanden geben, der etwas vermeintlich besser kann als wir auf seinem (Fach-)Gebiet. Jeder hat seine ganz eigene Expertise und keiner kann alles gleich gut. 


Der innere Kritiker, ein lauter Gefährte

Es geht letztlich auch gar nicht darum, besser zu sein als andere. Aber wie schaffen wir es dann bitte, unseren inneren Kritiker so in die Schranken zu weisen oder zu berieseln, dass wir erst gar nicht ins Zweifeln kommen?

Zugegebenermaßen leichter gesagt als getan, denn niemand ist so penetrant und laut wie diese innere Stimme. „Mensch, jetzt hast du schon wieder vergessen, die Waschmaschine anzumachen.“ „Oh Gott, was bist du für ein Tollpatsch.“ „Warum kannst du nicht einmal auf den Tisch hauen und sagen was du wirklich denkst?“ „Du Versager/in!“

Seien wir doch mal ehrlich! So oder ähnlich läuft doch der innere Dialog meist ab. Oft nehmen wir gar nicht mehr richtig wahr, wie verachtend wir da eigentlich mit uns selbst sprechen. Stell dir nur mal vor, du würdest genau mit dieser Wortwahl stetig mit anderen kommunizieren? Eher demotivierend, oder?

Wie wäre es denn, wenn du dich zur Abwechslung einmal nur auf dich selbst konzentrierst? Unabhängig davon, was und wie andere etwas tun oder sagen. Sage etwas in deinen persönlichen Worten, zeige es mit deinen eigenen Gesten, in deinem, auch gerne mal extravagantem, Stil. Und das Wichtigste, bleibe bei deinen Werten und handle aus deiner Überzeugung heraus. Und das nächste Mal, wenn du wieder in einer Besprechung sitzt und das kleine Männchen sich meldet, dann sage ihm doch zur Abwechslung: „Hey, danke für den Hinweis lieber innerer Kritiker. Die Person am Rednerpult macht das auf seine Art und Weise ganz wunderbar, aber meine Präsentation ist ebenfalls einzigartig und kann sich mindestens genauso gut sehen lassen. Also psst, bitte etwas leiser.“ Und dann lächle und genieße den Moment.


Verinnerlichen anstelle von verdrängen

Diese Vorgehensweise nimmt uns bereits ein wenig den Druck, den wir uns selbst am meisten machen.

Es macht dennoch keinen Sinn, den inneren Kritiker gänzlich verdrängen zu wollen, das wäre eher kontraproduktiv. Somit gilt es im zweiten Schritt, diesem genauer zuzuhören, wenn er sich wieder meldet. Was will er mir konkret sagen? In welchen Situationen meldet er sich vorzugsweise zu Wort? An welche früheren Situationen erinnert mich das? Dies kann bereits ein sehr aufschlussreicher und effektiver Ansatz zur Bewältigung von Ängsten und Blockaden sein. Alleinig das Bewusstsein dazu bringt uns schon einen kleinen, jedoch sehr wertvollen, Schritt voran.

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