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Multitasking – wünschenswert oder risikobehaftet?


Ich kann alles und das auch noch gleichzeitig, ich bin Mehrfachkönner

Damals, als Teenager, dachte ich mir offen gestanden immer insgeheim voller Stolz: „Wow, ich kann Auto fahren, dabei eine Zigarette rauchen, Schokolade essen und noch ganz nebenbei telefonieren. Ich habe es echt drauf!“ Viele Jahre später, als ich dann bereits eine eigene Familie gegründet hatte, blieb mir genau dieses Denken, mit dem kleinen Unterschied, dass sich nun die Aufgaben verändert hatten. Ich hatte die, in meinen Augen „erstrebenswerte“ Fähigkeit, ganz viele Dinge gleichzeitig zu erledigen, nahezu perfektioniert: Brotzeit herrichten, nebenbei die Spülmaschine ausräumen und Frühstück auf den Tisch stellen. Auf dem Weg ins Bad noch die Kleidung vom Boden aufheben und im Vorbeigehen am Kinderzimmer stilvoll in den Wäschekorb werfen, um dann gleich den nächsten Waschgang anzuschalten. Das Tagesmakeup auftragen und mich dann anzuziehen, während meine Tochter schon ruft: Mami, meine Haare sind zottelig, hilfst du mir? Beim Spaziergang mit dem Hund meine Business E-Mails auf dem Mobiltelefon kurz überprüfen und beantworten, dabei den Müll gleich noch mit auf dem Weg in die Tonne kippen. Kurzer Halt auf dem Kinderspielplatz, Konzept für die nächste Geschäftspräsentation dabei schon halbwegs im Kopf ausgemalt usw. Ihr könnt euch an dieser Stelle denken, wie es weiter geht… bzw. wie es nie wirklich enden wollte. Mein Kopf war voller als voll und ich war zeitweise gnadenlos überfordert mit meinen Gedanken, meiner nie endenden ToDo-Liste und den täglichen Anforderungen an mich. Einerseits gab es mir eine enorme Befriedigung, wenn ich am Ende des Tages dann doch noch alles zufriedenstellend erledigen konnte, andererseits hatte ich immer das Gefühl, permanent unter Druck zu stehen und bei allem was ich tat nie zu einhundert Prozent bei einer Sache zu sein. Dies ging zeitweise sogar so weit, dass ich meine privaten Termine mit Freunden und Familie nur noch so durchtaktete und während des ersten Treffens bereits gedanklich beim nächsten Termin war. Im Nachgang betrachtet sehr schade, denn unsere Zeit, die wir mit jemanden verbringen hat ja auch etwas mit gegenseitiger Wertschätzung zu tun, deshalb sollte man dieser seine volle Aufmerksamkeit schenken. Heute ist mir das wesentlich bewusster und ich versuche, wenn möglich, immer nur einen Termin pro Tag zu vereinbaren, welcher dann auch ganz meinem Gegenüber gewidmet ist.


Wissenschaftlich eher kritisch beäugt

Es gab in meinem Leben eine Zeit, da war es für mich nahezu unabdingbar, Erledigungen parallel zu tätigen, um allem und allen gerecht zu werden; zumindest sah ich das als meine Wahrheit an. Die eigentliche schmerzhafte und zugleich befreiende Wahrheit ist jedoch, dass ich falsch lag und ich nun, wo ich mich verstärkt auf eine Sache konzentriere, bevor ich eine weitere angehe, mit einer ganz anderen Intensität und Leichtigkeit arbeiten kann.

Mein Gehirn konzentriert sich auf das Wesentliche und hat nicht gefühlt tausend andere störende Gedanken, die nur unnötig ablenken, präsent. Es beruhigt zudem ungemein die Nerven. Denn, wenn du morgens aufstehst und im Kopf bereits über zwanzig Themen hast, die du deiner Ansicht nach an diesem Tag schaffen musst, dann ist es ja nur allzu verständlich, dass du dich selbst unter Druck setzt, in Stress gerätst und womöglich noch depressiv wirst, wenn du doch nicht alles geschafft hast (was meist der Fall ist, da die Liste jeden Tag auf´s Neue beginnt). Ein weiteres Phänomen, dass ich dabei beobachten durfte, war das Hinzukommen von neuen Aufgaben, sobald eine davon abgearbeitet war.


Multitasking als Kernkompetenz von Frauen

Vor allem bei Frauen und Müttern wird die Fähigkeit des Multitaskings als absolut selbstverständlich betrachtet. Es gibt in der Tat Frauen, die von schweren Selbstzweifeln geplagt werden, weil sie nicht die Fähigkeit besitzen, mehrere Dinge gleichzeitig zu managen. Sie trauen es sich kaum zuzugeben, wenn man sie darauf anspricht. Da frage ich mich: „Wo steht bitte geschrieben, dass dies eine unserer Kernkompetenzen und eine Grundvoraussetzung für ein erfülltes funktionierendes Leben ist?“ Ich konnte das so noch nirgendwo nachlesen. Genau das Gegenteil ist der Fall, wie ich bereits ausführlich erläutert habe. Ein Wissenschaftler hat mir einmal in einem persönlichen Gespräch erklärt, dass der Mensch eigentlich gar nicht dafür geschaffen sei, mehreres gleichzeitig zu tun und schon gar nicht in dem Tempo, in dem wir das heutzutage tun. Diese Erkenntnis war sehr befreiend und hatte mich damals in der Tat zum Nachdenken inspiriert.


Multitasking ist Unfallverursacher

Der Begriff „Multitasking“, kommt aus dem englischen und heißt wörtlich übersetzt: „Mehrfachaufgabe“. Er wurde früher vermehrt in der EDV benutzt und meinte dabei die technische Verarbeitung mehrerer Befehle zur gleichen Zeit.* Im menschlichen Kontext bedeutet es vielmehr „das gleichzeitige Erledigen mehrerer Aufgaben“. Es ist etwas, dass wir uns selbst anerzogen haben und was sich in unserer Gesellschaft bereits als Standardbegriff etabliert hat, obwohl es wissenschaftlich nie exakt und eindeutig definiert wurde.

Es ist sogar wissenschaftlich bewiesen, dass wir bei der Erledigung mehrerer Aufgaben zur gleichen Zeit nicht ausreichend effizient sind im Vergleich zur seriellen Abarbeitung. Es entstehen vermehrt Fehler bei der Arbeit und im schlimmsten Fall verursacht es Unfälle. Das wiederum ist eine logische Schlussfolgerung daraus, dass bei der Erledigung mehrerer Aufgaben auch unsere Aufmerksamkeit aufgeteilt werden muss. Zu einem ähnlichen Ergebnis kommt auch eine Studie der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin.

Ein weiteres gutes Beispiel für nachteilige Auswirkungen von Multitasking ist der Zusammenhang und die negative Auswirkung auf unsere Gesundheit. Hierzu habe ich einen schönen Artikel zum Thema Aufmerksamkeit zentrieren gefunden, der den Zusammenhang zwischen Multitasking und Achtsamkeit sehr gut darstellt.

Selbst heute muss ich mich ab und zu noch dazu zwingen, bewusst innezuhalten und eine Aufgabe nach der anderen zu erledigen, ohne wieder in die „Alles-zur-gleichen-Zeit-erledigen-wollen-Falle“ zu geraten. Mir ist bewusst geworden, dass es keinerlei Sinn macht, mehrere Dinge gleichzeitig zu tun. Ich persönlich sehe Multitasking mittlerweile mehr als notwendiges Übel unserer Zeit und weniger als erstrebenswert an. Und wenn mich heutzutage jemand fragt, ob ich denn multitaskingfähig sei, dann würde ich es vermutlich mit: „Ja ich kann, aber nein, ich will nicht“ abtun, denn ich bleibe lieber fokussiert und in Balance bei meiner Arbeit.

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*Quelle: https://www.onpulson.de/lexikon/multitasking/

 

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Iflebenskunde - Aufmerksamkeit zentrieren

Onpulson – Multitasking


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